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Ihr schönsten Launen, du guter Geist, und du heiterer Sinn, ihr seid mein ganzes Publikum, oder wenigstens, was es bedarf, aus mir einst einen leidlichen Dichter zu machen. Neckerei, freundliche Strenge und Duldung können mich von allen moralischen und künstlerischen Fehlern heilen. Enthusiasmus ist in mir, ihr kennt und liebt seine schöne Quelle. Ich sagte euch ohnlängst, daß ich euch dies Buch geweiht, die Dedikazion aber vernichtet hätte, weil ich fühlte, wie sehr wenig mein Buch es verdiene. Aber seit ich einen schönen Abend in einer schönen Umgebung zubrachte, fühle ich, daß ihr alles hören dürft, was ich weiß und wußte, ja daß es mir sehr heilsam wäre, wenn ihr alles hörtet, denn ich würde mir dann Mühe geben, alles so gut zu sagen, als ich kann. Du holde Dreieinigkeit stehst also nicht hier, meinem nachlässigen Buche einen schönen Vorredner zu geben, auch steht mein Buch ebenso wenig wie eine üble Nachrede hinter deinem guten und lieben Namen, noch weniger soll mit den wenigen guten Gedanken darin dir eine spärliche Ehre erwiesen werden. Nein, wie drei gute Feen stelle ich euch hierher an die Wiege meiner jüngsten Torheiten (denn das Buch ist schon ein Jahr alt), damit ich in eurer Miene das Schicksal meines Buchs in der schönsten Welt ergründen möge. Am meisten aber verführte mich meine große Sehnsucht dazu, eine von euch dreien Du zu nennen, was ich öffentlich nur unter dem Verluste meiner ewigen Freiheit erlangen könnte, und hier in meiner poetischen Freiheit mit Recht nach Herzenslust darf. Welche es ist, die kann es sicher fühlen, doch wird keine je erraten können, ob es die andre ist.So wende ich mich denn zu dir, liebliche Minna, und rede deine schönsten Launen, nicht ohne einige Begeisterung, folgendermaßen an:»Ihr Leichtbeflügelten, die ihr ihr schönes Bild im ewig neuen Wechsel von tausend glühenden Farbenschimmern in dem bunten Staub eurer Psychen-Flügel zerstreut, sammelt euch freundlich in ihrem Herzen, wenn sie mein Buch in die Hand nimmt.«
Nun wird zwar jemand einwenden, der gedachten Scribenten Uberfluß wäre gleichwol der Welt etwas nützer gewesen, als wenn etliche abgeschmackte Lieder, nicht anders als auß einer klingenden Schelle außgelassen würden. Doch der Unterscheid bestehet hierinnen, daß jene des Männlichen Alters, diese aber der grünen Jugendt überflüssige Gedancken sind: Und wie eine jegliche Zeit ihre eigene Ergötzlichkeit hat, wie man auch nicht eher thut als ein Mann; als wenn der Bart dem Gesichte eine saure Mine abfordert; also würde sich die Jugend über dem Zeitvertreib schlecht zu erfreuen haben, welche sich von ihrer Inclination allzuweit absondern wolte.Und wer kan leugnen, daß dergleichen Ubungen so gar ohne Nutzen verrichtet werden? Ist es nothwendig, daß ein junger Mensch in Poetischen und Oratorischen Sachen auffgemuntert, und zur recommendation der andern Gelehrsamkeit an lustige und angenehme Inventiones gewiesen wird; so wil ich hoffen, es solte nicht allein das junge Volck hierinn zu loben seyn, sondern ein sorgfältiger Informator solte auch dahin trachten, wie er seinen Untergebenen dergleichen überflüssige Gedancken einflössen möchte, darüber sie andere überflüssige Wercke, als Spielen, Sauffen, müssig gehen, vergessen könten.Ich halte auch nicht, daß jemahls ein Mann durch liebliche Worte berühmt worden, der in seiner Jugend allen Uberfluß in solchem Stücke verachtet hat. Inmassen die blossen Schul-Materien nicht genug sind ein stattliches Ingenium zu excitiren, wenn es nit auß eigenem Antrieb seinen Fleiß etwas höher führen soll. Legen doch die Hühner viel lieber in das Nest, das sie selbst erwehlet haben, als welches von einer ungedultigen Käse-Mutter ist angeleget worden.
WELT. Wohin führst du mich?ENGEL weist ihr einen Platz an. Hier warte. Deine Leut hinter dir. Du bist berufen.WELT. Wer sind dort die?ENGEL. Auch berufen; achte, wie ich sie grüße.Tritt hin, neigt sich.Gegrüßet seid mir, heilige Propheten, weissagende Frauen; eurer Worte jegliches glänzt durch die Zeiten. Der Herr ist mit euch.WELT. Ich kenn euch wohl. Meine Berge haben euch getragen, die Hände zum Himmel zu recken, meine Höhlen waren der rechte Ort, wo ihr die Schatten der Gewesenen beschwören konntet; ihr möget mich auch zuvor grüßen.PROPHETEN zusammen. Du großes Wunderwerk der sieben Tage, Welt, sei uns gegrüßt.WELT zu den Sibyllen, die in Schweigen verharren. Seid ihr Weiber so stolz! Mit eurem A O U habt ihr viel Geister gerufen und viel Ruhm ergattert. Wem aber das Volle gegeben ist, der schreit nicht A noch U und dem ist die Zunge zu schwer für Spruch, aber wenn er wollte, möcht er leicht mehr sagen, als ihr vermocht habt. Was fuhrt uns hier an dieser Statt zusammen?PROPHETEN. Der Wille, der alles vermag, was er will. Wir sind beschieden und harren....
An der kleinen Station, die nicht weit hinter Breslau an dem großen Schienenstrange liegt, der, Schlesien durchquerend, Berlin mit Wien verbindet, war zu später Abendstunde der Eisenbahnzug angekommen. Es war keiner von den Kurierzügen; wenige Fahrgäste nur saßen in den Wagen verteilt; auf der Station stiegen nicht mehr als zwei Reisende aus. Dies waren zwei Männer, von denen der eine, der bejahrter und dicker als der andre war, sogleich von dem Gepäckträger des Bahnhofs in Empfang genommen und begrüßt wurde. Er schien am Orte bekannt zu sein, und das war natürlich genug, denn es war der Arzt, der in der kleinen, etwa zwei Meilen hinter der Station landeinwärts gelegenen Stadt seinen Wohnsitz hatte. »Ist der Wagen da?« fragte er den Gepäckträger; dem er seine Reisetasche anvertraute; er war offenbar nur zu einem kurzen Ausfluge von Hause fort gewesen. »Is da, Herr Dukter,« erwiderte jener; »die Frau Dukter hat och den Mantel für'n Herrn mit eingelegt, wird aber nicht nötig sein, is scheenes Wetter heut abend zur Nacht.« Jetzt wandte sich der Arzt an den Mitreisenden.
Adam sitzt und verbindet sich ein Bein. Licht tritt auf.LichtEi, was zum Henker, sagt, Gevatter Adam!Was ist mit Euch geschehn? Wie seht Ihr aus?AdamJa, seht. Zum Straucheln brauchts doch nichts als Füße.Auf diesem glatten Boden, ist ein Strauch hier?Gestrauchelt bin ich hier; denn jeder trägtDen leid'gen Stein zum Anstoß in sich selbst.
Die Geschichte fing damit an, daß der junge Baron Henning bei einem Künstlerball eine Dame kennenlernte, die sich Lucy nannte und durchaus rätselhaft blieb. Sie war mit einem schwedischen Herrn gekommen und später wieder mit ihm verschwunden ¿ man wußte von beiden nichts Näheres. Lucy war nicht eigentlich schön, aber, wie von allen Sachverständigen festgestellt wurde, ungemein reizvoll, mit einem weißen, sanften Gesicht und einem Mund, der eher zu frechen und pikanten Zügen gepaßt hätte. Er war auffallend rot und die Oberlippe kurz, so daß die Zähne stets ein wenig herausfordernd zum Vorschein kamen. Eben in diesen Gegensatz verliebte sich Henning, aber nachdem er einmal mit ihr getanzt hatte, gelang es ihm nicht, ihr mehr nahezukommen und die Bekanntschaft, wie er es gewünscht hätte, festzulegen, so daß eine Fortsetzung folgen konnte. Er wurde sich nicht einmal klar, in welche Sphäre sie einzureihen sei ¿ vielleicht in die zweifelhafte, es konnte aber auch ein junges Mädchen oder eine verheiratete Frau sein, die im Rahmen des zwanglosen Festes über die Stränge schlug. Der Schwede behandelte sie korrekt und anscheinend mit Hochachtung, sie zeigte auch einwandfreie Manieren, tanzte aber wie toll, völlig hingerissen, man hätte beinah sagen können, disparat, und gegen Schluß des Balles, als die Stimmung den üblichen Höhepunkt vor Schluß und Aufbruch erreichte, schwang Lucy, die Fremde und Undefinierbare, sich mit Hilfe ihres Kavaliers auf den Tisch, an dessen Ende Henning mit seiner Gesellschaft saß, und tanzte einen raschen wirbelnden Tanz, sprang leichtfüßig wieder herunter und war dann endgültig verschwunden.
as kan ich; wenigstens kan ich dir sagen, was man sich davon in die Ohren flüstert. Unser verstorbner König, dessen Gestalt uns nur eben erschienen ist, wurde, wie ihr wisset, von Fortinbras, dem König der Norwegen, seinem Nebenbuhler um Macht und Ruhm, zum Zweykampf herausgefodert: Unser tapfrer Hamlet (denn dafür hielt ihn dieser Theil der bekannten Welt) erschlug seinen Gegner in diesem Kampf, und dieser verlohr dadurch vermög eines vorher besiegelten und nach Kriegs-Recht förmlich bekräftigten Vertrages, alle seine Länder, als welche nun dem Sieger verfallen waren; eben so wie ein gleichmässiger Theil von den Landen unsers Königs dem Fortinbras und seinen Erben zugefallen seyn würde, wenn der Sieg sich für ihn erklärt hätte. Nunmehro vernimmt man, daß sein Sohn, der junge Fortinbras, in der gährenden Hize eines noch ungebändigten Muthes, hier und da, an den Küsten von Norwegen einen Hauffen heimathloser Wage-Hälse zusammengebracht, und um Speise und Sold, zur Ausführung irgend eines kühnen Werkes gedungen habe: Welches dann, wie unser Hof gar wol einsieht, nichts anders ist, als die besagten von seinem Vater verwürkten Länder uns durch Gewalt der Waffen wieder abzunehmen: Und dieses, denke ich, ist die Ursach unsrer Zurüstungen, dieser unsrer Wache, und dieses hastigen Gewühls im ganzen Lande.
O mein Herr, das laßt euch keine Sorge machen; ich begleite ihn, um mir selbst auf seine Unkosten Dienste zu thun. Wir können nicht alle Befehlhaber seyn, und nicht alle Befehlhaber können getreue Diener haben. Ihr werdet in der Welt manchen Dienst-ergebenen, knie- biegenden Schurken sehen, der unter einer vieljährigen treu- eyfrigen Dienstbarkeit endlich so grau wird wie seines Herrn Esel, ohne etwas anders davon zu haben, als daß er gefüttert, und wenn er alt ist gar abgedankt wird. Peitscht mir solche gutherzige Schurken¿Dagegen giebt es andre, die zwar ihr Gesicht meisterlich in pflichtschuldige Falten zu legen wissen, aber ihr Herz hingegen vor aller fremden Zuneigung rein bewahren; die ihren Herren nichts als den äusserlichen Schein der Ergebenheit und eines erdichteten Eifers zeigen, aber eben dadurch ihre Sachen am besten machen, und wenn sie ihre Pfeiffen geschnitten haben, davon gehen, und ihre eigne Herren sind. Das sind noch Leute die einigen Verstand haben, und ich habe die Ehre einer von ihnen zu seyn. Es ist so gewiß als ihr Rodrigo seyd; wär' ich der Mohr, so möcht ich nicht Jago seyn: izt dien ich, das wissen die Götter! bloß um mir selbst zu dienen, und nicht aus Ergebenheit und Liebe¿ich stelle mich zwar so, aber das hat seine Absichten¿denn wahrhaftig, wenn mein Gesicht, und meine äusserlichen Handlungen die wahre innerliche Gestalt meines Herzens zeigten, so würde mein Herz in kurzem den Krähen zum Futter dienen¿Mein guter Freund, ich bin nicht, was ich scheine.
Die Glocke auf dem kleinen Dampfer läutete. Auf der Landungsbrücke und auf den Kieswegen vor dem Hotel standen plaudernde Menschen, meist Damen in hellen Sommerkleidern. Drei Personen, die bereits einige Zeit in Gespräch vertieft auf dem Verdeck gesessen, zwei Herren und eine Dame, standen jetzt auf und nahmen mit Dank und Lächeln und Reisewünschen von einander Abschied. »Meine liebe Helene,« sagte der eine Herr, ¿ der nicht in Reisekleidung war, ¿ indem er die Hand der Dame herzlich in beiden Händen festhielt, »euer Besuch ist mir wirklich eine große Freude gewesen ... Und zu Weihnachten schickt ihr mir euren Jungen ...« »Zu Neujahr, Richard. Zu Weihnachten will ich ihn noch für mich haben.« Sie blickte suchend durch das Gedränge der Passagiere, die auf das Verdeck strömten. »Du weißt, ich bin eine bescheidene Mutter ...«, fuhr sie fort. »Aber ich hege die größte Meinung von meinen Kindern ...«, ergänzte der andre Herr lächelnd. »O Carl, wenn ich dich verraten wollte! ¿ Lux!«, rief sie, »Lux!« Sie hatte ihn eben erblickt. Ein schöner dunkelblonder Knabe, der bisher eifrig in den Maschinenraum gespäht hatte, drängte sich durch die Leute. »Herr Professor, wir fahren sofort,« sagte einer der Schiffsleute im Vorübergehen. Nochmaliges Händeschütteln, und der Professor ging ans Land zurück, wo zwei kleine Mädchen eifrig mit den Taschentüchern winkten. Man machte ihm höflich Platz, und viele Leute grüßten ihn. Er lüftete dankend den Strohhut, gleichgültig, wie jemand, der an solche Höflichkeit gewöhnt ist.
GENIUS ZITTAVIÆ, von zwölff Schäffern begleitet. Ihr liebsten Zittauer / oder daß ich niemanden vorbey gehe / ihr angenehmen Gäste in Zittau / hier stehe ich unter dem Nahmen GENIUS ZITTAVIÆ. Das weiß ich / es wird niemand einen Schutz-GOtt aus mir machen / wie etwan die Heydnischen Poeten bey allen Bergen / bey allen Bächen / und bey allen wohltätigen Liebeszeichen der Natur / eine Nymfe / oder einen GOtt zu logiren wusten. Das ist wahr / GOtt lässet seinen Seegen um diese Gegend reichlich hervor wachsen / und also stelle ich mich auff diesem Platze als ein Sinnbild des grünen Segens ein / damit der gnadenreiche Schöpffer diese Gegend auff dem Zittauischen Gebürge zu bekrönen pflegt. Das ist die Gegend / darein sich der tapffre König OTTOCARUS verliebte / daß er auch an dem Zusammenflusse der Mendau und der Neisse eine Stadt wolte gebauet wissen. Das ist die Gegend / da sich dessen königlicher Sohn WENCESLAUS mit grössrer Gnade gewiesen hat. Und es lassen sich die alten Wolthaten desto angenehmer bedencken / je gewisser das Durchlauchtige Chur-Hauß Sachsen dazu gebohren ist / daß die Wohlthaten der alten Zeit jemehr und mehr selten verjünget und PERFECTIONIret werden. Gleichwie nun die Begebenheit des bevorstehenden Spieles an sich selber nicht unangenehm seyn kan: Also werden auch diese getreuen Vorredner / die als Zeugen des gesegneten Landes von den höchsten Bergen dieser Gegend herkommen / mit gleichmäßiger Genehmhaltung angesehen werden.
Du schreibst mir, liebste Mama, daß unser altes Haus in der Ferdinandsgasse niedergerissen werde ... Laß es, da wir's ja doch nicht hindern können, immerhin geschehen: um so dauernder wird es uns bleiben. Denn dann, wenn es nicht mehr ist, wird es uns erst gehören. Wir haben es ja nicht einmal wirklich unser nennen dürfen. Sein Eigentümer, der es so schätzt, daß er es besser verwerten zu können meint, wenn er es zerstört, verliert es, und wir gewinnen dabei. Das alte Haus soll einmal, vor hundert Jahren, ein jüdisches Bethaus gewesen sein. Das war mir immer sonderbar zu hören gewesen. Niemand hat die Sage beglaubigen können.Ihm gegenüber stand die noch viel ältere Kirche zur heiligen Magdalena. Unser Haus war schmal, und die Kirche war schmal. Um so tiefer waren beide. Das ergab vielleicht eine gewisse Verwandtschaft. Aber nicht daran knüpft sich die Beziehung, die zwischen den Nachbarn bestand, auch nicht einmal an die Besuche, die wir der Kirche abzustatten pflegten. Nein, die Beziehung lag einfach im beständigen Gegenüber. Die Gasse war eng, und der Kirche war nicht auszuweichen. Wann immer man an eines der fünf nicht eben großen Fenster trat, die auf die Gasse hinausgingen, hatte man es mit der alten Kirche zu tun. Sie wies bloß zwei Fenster, rechts und links von der Eingangspforte, zu der man auf einigen breiten, steilen Stufen hinaufstieg. Dann gab es noch einen kleinen geheimnisvollen Hof neben der Kirche, zu dem in einer niedrigen Mauer eine vertiefte Türe führte.
Tön¿, o Heldengesang, von den schmetternden Kriegesdrometen Wieder geweckt, von Rudolph nun, dem Kaiser der Deutschen, Der obsiegend der Macht des Böhmenköniges, Ottgar, Wahrte die Rechte des Reich¿s, und, kehrend vom blutigen Schlachtfeld, Gründete Habsburgs Thron an den Ufern der mächtigen Donau, Seinem Geschlechte zum Ruhm, und unzähligen Völkern zum Segen!Wer empörte sofort, nach dem jüngsterrungenen Frieden, Wieder die Fehd¿ und das Graün der menschenvertilgenden Feldschlacht? Ein unseliger Geist, D r a h o m i r a . Die Herrscherinn Böhmens War sie, und noch ist ihr Nahme mit Schauder genannt in dem Land dort: Denn Wratislav, dem christlichen Fürsten, vermählet als Heidinn,Trug sie den Christen Haß in der schrecklichen Brust, und verfolgte Sie mit Feuer und Schwert. Sie waffnete selbst den Erzeugten, Boleslav, daß er Wenzel ermorde, den eigenen Bruder, Weil er dem Heiland getreu, festhielt an dem heiligen Glauben, Und verübt¿ auch sonst an dem Volk¿ entsetzliche Frevel: Zaubergewaltig, ergeben dem Trug der Hölle ¿ der Schwarzkunst; Bis urplötzlich die berstend¿ Erde zu Prag, am Hradschin, sie, Lebend, verschlang. Noch jüngst ausspie der klaffende Felsen Dort bald finsteren Rauch, bald bläuliche Flammen: denn oft kam Noch in der Neumondsnacht (so heischt¿ es die Sag¿) ihr zu opfern, Mancher, vom Wege des Heils Verirrter, dahin, und Verdammniß Ward ihm zu Theil. D¿rum hieß, als früher geweihetes Wasser Sprengte der Priester umher, und stehende Worte zu Gott rief, Ottgar füllen den Zauberschlund mit dem lastenden Felsblock So, daß auf immer verhüllt die Spur des unseligen Raum¿s sey.Unten im Höllenpfuhl, der außer des kreisenden Weltalls Gränzen sich noch unendlich erstreckt, erhob Drahomira
Langsam ließ die rote Morgensonne ihr Nachtwolkengewand fallen, und jeder Tautropfen strahlte siebenfarbig ihr leuchtendes Bild zurück. Blaue Dunstwolken stiegen von der Erde auf, ruhten zögernd in den Baumwipfeln, und in zagender Liebe erschlossen sich taufeuchte Blumenkelche den ersten Strahlen des jungen Tages. Immer wieder hatte die Nachtigall ihr sanftes Lied erklingen lassen, aber das verworrene Zwitschern der anderen Waldsänger ließ ihre schmelzenden Töne verstummen.Ein kleiner Trupp Ritter zog schweigend nach Rousselare. Ihr Rossestampfen und Waffengeklirr störten den schweigenden Waldesfrieden. Ein Hirsch wurde aus seiner Einsamkeit aufgeschreckt, schoß aus dem Buschholz hervor und floh schneller als der Wind vor der drohenden Gefahr.Gewänder und Waffen der Ritter waren so kostbar, daß man beim ersten Blick darauf schließen konnte, daß man Grafen oder noch höhere Herren vor sich hatte.Ein seidener Waffenrock fiel in wallenden Falten von ihren Schultern, und ein versilberter Helm mit purpurnen und blauen Federn schmückte ihr Haupt. Die Stahlschuppen ihrer Panzerhandschuhe und die Goldmaschen ihrer Knieplatten blitzten in der flammenden Morgensonne. Die kühnen Schlachtrosse waren mit weißem Schaum bedeckt und ließen sich nur schwer bändigen. Bei ihren heftigen Bewegungen funkelten Silberknöpfe und Seidentroddeln ihres reichen Zaumzeuges in glitzerndem Farbenspiel.
In dem großen Kamin knisterten die Buchenscheite. Die aufschlagenden Flammen erhellten den kleinen lauschigen Salon mit rubinrotem Licht. Warm und wohlig drang es bis in die Falten der schweren, dunkelblauen Brokatvorhänge, die über die zugefrorenen Fensterscheiben fielen. Auf einem niederen Taburett vor dem Feuer saß ein junges Weib. Die schlanke, ebenmäßige Gestalt im leichten, bequemen Seidengewand war ein wenig vornübergebeugt. Der Widerschein der Flammen, gegen die sie die feinen schönen Hände ausgestreckt hielt, um sie zu erwärmen, umspielte das lichtbraune Haupt und ein Stück des weißen Nackens. Hinter ihr, die Hände auf die Schultern des jungen Geschöpfes gelegt, stand ein fast fünfzigjähriger Mann, eine stattliche, vornehm gekleidete Erscheinung. Die graue Puderperücke stand eigenartig zu dem frischen Gesicht mit den jungen lebhaften Augen. »Nun Jeanne, noch immer in Gedanken?« fragte er, sich ein wenig niederbeugend und mit der Rechten leicht über das reiche weiche Haar des jungen Weibes fahrend. »Sollte man am Ende doch Sehnsucht nach dem auf Reisen geschickten Gatten haben?«
Im Norden der Grafschaft Ruppin, hart an der mecklenburgischen Grenze, zieht sich von dem Städtchen Gransee bis nach Rheinsberg hin (und noch darüber hinaus) eine mehrere Meilen lange Seenkette durch eine menschenarme, nur hie und da mit ein paar alten Dörfern, sonst aber ausschließlich mit Förstereien, Glas- und Teeröfen besetzte Waldung. Einer der Seen, die diese Seenkette bilden, heißt »der Stechlin«. Zwischen flachen, nur an einer einzigen Stelle steil und quaiartig ansteigenden Ufern liegt er da, rundum von alten Buchen eingefaßt, deren Zweige, von ihrer eignen Schwere nach unten gezogen, den See mit ihrer Spitze berühren. Hie und da wächst ein weniges von Schilf und Binsen auf, aber kein Kahn zieht seine Furchen, kein Vogel singt, und nur selten, daß ein Habicht drüber hinfliegt und seinen Schatten auf die Spiegelfläche wirft. Alles still hier. Und doch, von Zeit zu Zeit wird es an eben dieser Stelle lebendig. Das ist, wenn es weit draußen in der Welt, sei's auf Island, sei's auf Java, zu rollen und zu grollen beginnt oder gar der Aschenregen der hawaiischen Vulkane bis weit auf die Südsee hinausgetrieben wird. Dann regt sich's auch hier, und ein Wasserstrahl springt auf und sinkt wieder in die Tiefe. Das wissen alle, die den Stechlin umwohnen, und wenn sie davon sprechen, so setzen sie wohl auch hinzu: »Das mit dem Wasserstrahl, das ist nur das Kleine, das beinah Alltägliche; wenn's aber draußen was Großes gibt, wie vor hundert Jahren in Lissabon, dann brodelt's hier nicht bloß und sprudelt und strudelt, dann steigt statt des Wasserstrahls ein roter Hahn auf und kräht laut in die Lande hinein.«
Voll Wehmuth denke ich an Dich, Die Du von mir geschieden, Und meine Seel' umwölket sich Und sehnt sich weg hienieden. O, daß auch mich der stille Tod Dem Stengel nur entpflückte! O, daß ich bald das Morgenroth Des letzten Tags erblickte! Der Freuden, so die Welt mir beut, Ist längst mein Herz entwöhnet Und hat von ihrer Eitelkeit Sich schmerzlich weg gesehnet. O, möcht' ich Deine Krone sehn Und hören Deine Weisen! O, dürft' ich Dir zur Seite stehn, Mit Dir Gott ewig preisen! ¿ Mein Vater! hilf mir diesen Schmerz, Den tiefen Schmerz mir tragen, Bis endlich heilt dies wunde Herz, Bis mir Dein Licht will tagen. Du weißt, Herr! daß kein Erdengut Den Jammer mir kann stillen; Du wollst mit Deiner Liebe Gluth Mein sehnend Herz erfüllen! »So walle deinen Pfad hinab ¿ Den Brüdern sollst du dienen; Dann wird dereinst dein Pilgerstab Zur Palme dir ergrünen.« Ja, Vater! was Du mir erwählt, Das hab' auch ich beschlossen. Wenn Deine Kraft das Herz mir stählt, So leid' ich unverdrossen.
Wenn der Titel dieses Buches für einen Roman, der in unsern Tagen spielt, vielleicht etwas biedermeierisch anmutet, so mag er doch dadurch gerechtfertigt erscheinen, daß in den Menschen, von denen ich erzähle, noch heute ein Stück Überlieferung aus der »guten alten Zeit« steckt. Die Seidenweber vom Wiener »Schottenfeld« blicken auf eine Entwicklung von gut anderthalbhundert Jahren zurück, und wenn inzwischen auch längst größere oder ganzgroße Fabriksherren aus ihnen geworden sind, so hausen doch ihrer manche noch heute in den alten Häusern, von denen das Gewerbe einst seinen Ausgang genommen hat, und das eine oder andere von ihnen trägt noch heute, wenn schon nicht amtlich, so doch im Volksmund, seinen alten Hausnamen. Noch heute steht irgendwo in jener Vorstadtgegend, in einem hinter Hausmauern vergrabenen Gartenwinkel, jener stattlich gewachsene »Seidenbaum«, der dem Geschäftshaus der Firma Hocheder und der vorliegenden Erzählung den Namen gegeben hat, und schmückt sich alljährlich mit frischem Grün und zahlreichen kleinen, feinen weißen Blütensternen. Denn er ist kein lebloser, glattgescheuerter Webebaum, wie der Weber Schinnerl eine Zeitlang glaubte, sondern ein wirklicher und lebendiger Baum, ein weißer Maulbeerbaum nämlich, Morus alba, aus der den Seidenraupen vortrefflich mundenden Gattung der Moraceen. Er ist so alt, daß er die Zeit noch miterlebt hat, wo die kleinen Meister am Handwebstuhl sitzend eigenhändig die Weberlade regierten und der noch durchweg handwerksmäßige Gewerbebetrieb eine Angelegenheit der ganzen mithelfenden Familie war. Und hereinragend in dieses vielgepriesene und vielgelästerte Jahrhundert, das sich nicht einmal mehr mit der Großindustrie begnügen will, sondern sie zu den Riesenmaßen der Weltindustrie emporzusteigern berufen scheint, wird jenes in unsern Himmelsstrichen nicht eben häufig anzutreffende Gewächs noch heute frommsinnig geschont und behütet und von Kindern und kleinen Leuten als eine Kuriosität bestaunt. Denn für die großenteils von der Seidenindustrie und ihren Hilfsgewerben lebenden Bewohner der ehemals »Schottischen Freigründe«, auf denen vor lauter Häusern beinahe nichts Grünes mehr Platz hat, bleibt es immer ein merkwürdiges Ereignis, gelegentlich einmal das frisch gepflückte Blatt eines richtigen »Seidenbaumes« zwischen den Fingern zu halten, von welchem die Sage geht, daß es das Lieblingsfutter jenes Wurmes sei, dem vieltausend gewerbfleißige Menschen ihren Unterhalt und manchmal auch einen recht ansehnlichen Wohlstand danken.
Hier steh'n wir unter'm Apfelbaum, Hier will ich von dir scheiden, Hier träumte ich so manchen Traum, Hier trägt sich auch ein Leiden. Hier sah ich dich zum ersten Mal, In winterlicher Oede! Wie war der Baum so nackt und kahl, Wie warst du kalt und spröde! Doch bald ergrünte Zweig nach Zweig, Und alle Knospen trieben. Da sprang dein Herz, den Knospen gleich, Da fingst du an, zu lieben. Wie ist er jetzt von Blüten voll! Wie wird er reichlich tragen! Doch, wer ihn für dich schütteln soll, Das wüßt' ich nicht zu sagen. Hei! Wie dich säuselnd jener Ast Mit rothem Schnee bestreute, Als ob er schon die schwere Last Der künft'gen Früchte scheute! Wenn über's Meer der Herbstwind pfeift Und an dem Mast mir rüttelt, So denke ich: sie sind gereift, Und er ist's, der sie schüttelt! Und muß mein Schiff vor seinem Braus Gar an ein Felsriff prallen, So ruf' ich noch im Scheitern aus: Die schönste will nicht fallen!
Der Plaudergeist in meiner Brust hat immerfort geschwätzt mit Dir, durch den ganzen holperigen Wald bis auf den Trages, wo alles schon schlief, sie wachten auf und sagten, es wäre schon ein Uhr vorbei, auf dem Land blasen sie abends die Zeit aus wie eine Kerz, die man sparen will. Wie ich erzählte, daß Du mitgefahren warst bis Hanau, da hätten sie Dich all gern hier haben wollen, ein jeder für sich allein, da wär ich doch um Dich gekommen. Durch Dich feuert der Geist, wie die Sonn durchs frische Laub feuert, und mir geht's wie dem Keim, der in der Sonn brütet, wenn ich an Dich denken will, es wärmt mich, und ich werd freudig und stolz und streck meine Blätter aus, und oft bin ich unruhig und kann nicht auf einem Platz bleiben, ich muß fort ins Feld, in den Wald; in freier Luft kann ich alles denken, was im Zimmer unmöglich war, da schwärmen die Gedanken über die Berg, und ich seh ihnen nach.Alles ist heut nach Meerholz gefahren zum Vetter mit der zu großen Nas, ich bin allein zu Haus, ich hab gesagt, ich wollt schreiben, aber die Hauptursach war die Nas.Eben komm ich aus der Lindenallee, ich hab das ganze Gewitter mitgemacht, die Bäum geben gut Beispiel, wie man soll standhaft sein im Ungewitter, Blitz und Donner hintereinander her, bis sie außer Atem waren, nun ruhen alle Wälder. Ich war gleich naß, und so warm der Regen, hätt's nur stärker noch regnen wollen, aber bald war's schön Wetter, und der Regenbogen auf dem Saatfeld, ich war wohl eine halbe Stund weit gelaufen und ihm doch nicht näher gekommen, da fiel mir ein, daß man oft denkt, es wär so nah alles, was man gern erreichen möcht, und wie man mit allem Eifer doch nicht näherrückt. Wenn nicht die Schönheit vom Himmel herab uns überstrahlt, von selbst ihr entgegenlaufen ist umsonst, ich hab den ganzen Nachmittag verlaufen, eben kommen sie schon angefahren.
Eheu! Mit diesem Weheruf aus dem klassischen Altertum pflegte ich während meiner Gymnasialzeit das göttliche Dreigespann des Phaeton zu begrüßen, jenes verwegenen Jünglings, der sich, wie uns Ovid überliefert, dereinst der Lenkung des Sonnenwagens unterwunden hat, aber weil ihm die Kräfte des Apollon fehlten, auf das elendste dabei umgekommen ist. Eine Erzählung, die mir in dem derzeitigen philosophischen Abschnitte meines Lebens höchst bedeutungsvoll erscheint, als ein Symbolum der allermeisten menschlichen Bestrebungen, ja vielleicht des menschlichen Lebens überhaupt. Wenn wir nämlich das von jenem Phaeton befahrene Himmelsgewölbe dem Tummelplatze dieser Erde und sein Gespann unserm Schicksal gleichsetzen, so ergibt sich, daß wir uns wohl alle in grüner Jugend vermessen, das Gefährte nach unserm Willen über die Bahn zu lenken, da wir doch nach einiger Strecke erkennen müssen, sofern wir nicht bis zum Ende in geistiger Blindheit beharren, daß vielmehr das Gespann uns führt, wohin es ihm beliebt. Auch hinsichtlich der Gleichsetzung unsers Schicksals mit einem durchgehenden Gespann erscheint mir der Vergleich keineswegs zu hinken. Irgendwas von Sinn und Verstand vermag ich in dem Walten der Schicksalsmacht wenigstens in meinem Leben nicht zu entdecken.Was nun schließlich das klägliche Ende des Unternehmers anlangt, so ist, solange die Welt steht, noch keines Menschen Fahrt anders ausgegangen als mit dem Tode. ¿Der aufmerkende Leser wird nicht erst der ausdrücklichen Versicherung bedürfen, daß mein Weheruf nicht etwa einer Abneigung wider die Wissenschaften entsprang. Das war so wenig der Fall, daß ich schon von der Obertertia an beflissen war, mich auf mein erwähltes Fach, Theologie und Philologie, vorzubereiten, indem ich Sextanern und Quintanern, deren Eltern mich darum anließen, gegen ein geringes Taschengeld Nachhilfestunden erteilte.
Die Stätte, die ein guter Mensch betrat, Ist eingeweiht; nach hundert Jahren klingt Sein Wort und seine Tat dem Enkel wieder. Goethe, »Tasso«. Anfangs ist es ein Punkt, der leise zum Kreise sich öffnet, Aber wachsend umfaßt dieser am Ende die Welt. Hebbel über Goethe. »Er ist da, Christel! er ist da!« rief ein frisches hübsches Mädchen, indem es rasch die Tür eines Kämmerchens aufstieß und mehr springend als gehend eintrat. In dem kleinen Schlafzimmer herrschte noch Dämmerung; das halbe Licht eines Novembermorgens vermochte nicht viel Helle zu verbreiten; man erkannte kaum ein einfaches, weißumhangenes Bett und einige binsenbeflochtene Stühle. »Aber wie finster ist es noch bei dir, Langschläferin!« fuhr die Eintretende fort; ging an das Fenster, schlug die Vorhänge zurück, betrachtete fröstelnd den ersten langsam herabflatternden Schnee und trat an das Bett. Eine jugendliche Mädchengestalt richtete sich eben halb empor, öffnete groß die Augen und sagte: »Wie früh kommst du, Gustchen, eben graut der Tag, Tante Barbara hat noch nicht angeklopft.«
Wie die Blum' in ihrer Dolde, Wie der Edelstein im Golde, Ruhst du, Kindlein, wohlgemuth In der Liebe Pfleg' und Hut.Weinen magst du oder lachen, Schlafen magst du oder wachen: Um dich hält die Liebe Wacht Tag für Tag und Nacht für Nacht.Und wir seh'n an deinem Frieden, Was der Himmel dir beschieden: Vater, Mutter, liebes Kind, Die so gut und glücklich sind.Und du lächelst, wenn sie fragen, Und es ist, als wollt'st du sagen: Ja, ich ruhe wohlgemuth In der Liebe Pfleg' und Hut.
Mitten in dem schönen Garten, der das Schloß der Gräfin Rosemarie umgab, stand Schlaupeterle, wie man ihn nannte, und hielt eine Gießkanne in der Hand. Es war auch Wasser in der Gießkanne, aber Schlaupeterle vergaß das Gießen, weil es ihm gar so gut in dem weiten Garten gefiel. Er war zu Besuch zu seinem Großvater, dem Schloßverwalter, gekommen. Als Ferienbesuch in einem Schloß zu wohnen, das lohnte sich schon! Schlaupeterle stand und staunte. Das Schloß war gerade unbewohnt, denn die Gräfin Rosemarie war mit ihrem Manne, dem berühmten Geiger Michael, in die weite Welt gefahren. Hei, dachte Schlaupeterle, in dem Schloß möchte ich immer wohnen. Er sah zu den Fenstern empor. Bis auf eins waren sie in den oberen Stockwerken alle geschlossen. Auf dieses eine starrte Schlaupeterle wie auf eine Geburtstagstorte. Er überhörte dabei, daß jemand kam, und er erschrak gewaltig, als ihn der Großvater unversehens auf die Schulter schlug. »Willst wohl 'n Loch ins Schloß gucken?« fragte der. »Wer wohnt denn da?« Schlaupeterle zeigte mit dem Finger auf das eine offene Fenster.
Durch die beiden Kristallfenster der schönen und reichen Kapelle zu München in der Residenz schien die rote Wintersonne. Das schmale Gewölbe, weißer polierter Gips, nahm purpurne Flecken und Linien an, als würde es angehaucht. Über dem Pflaster von Jaspis und Achat auf Kniestühlen der bayrische Hof, spanische Kostüme, gesenkte Schultern, niedergedrückte Köpfe, grauhaarig, weiße Perücken, dunkle gezügelte Locken. Auf der Kanzel zur Linken des großen Silberaltars mit den Reliquien und dem reitenden Ritter Georg ¿ golden, drei Federbüsche am Helm mit Diamanten, Rubinen, Smaragden ¿ sprach in schwarzem geschlossenen Jesuitenrock ein langer glutäugiger Priester; seine Arme fuhren, ohne daß sie es sahen, über sie weg in der drohenden Erregung: ¿Es ist eher erlaubt, Gott zu hassen als zu lieben. Denn Gott steht uns zu fern, zu hoch; es ist eine Sünde, sich ihm zu nahen, selbst in Gedanken. Zu wagen, ihn zu lieben, wie dieses und jenes aus dem Alltag, ihn behängen mit Putz Juwelen und Gold, ihm zarte Gefühle darzubringen: das heißt, ihn erniedrigen. Es ist das Vergehen einer Beleidigung der Göttlichkeit. Kriechen vor ihm, ihm ausweichen, ja ihm grollen: das mag einem Menschen gut anstehen. Ihr habt schon Gott verleugnet in dem Augenblick, wo ihr ihn nicht fürchtet. Er hat euch keine Freundlichkeit gegen sich erlaubt, ist nicht euer Vater, eure Mutter, euer Buhle, euer Herzensbruder. Er ist nicht einmal euer König und Fürst, er lehnt es ab, euer Richter zu sein; sein Gericht ist euch nicht zugänglich; er vollzieht es, wann er will und gegen wen er will. Es läßt sich nicht fassen und erforschen, wer er ist, und darum heißt es nur, Grauen vor ihm empfinden ¿ und so habt ihr getan, was Menschenpflicht ist.
Die Capellen der Regimenter von Preobrajensky und von Paulowsky spielten zu dieser Soirée die gewähltesten Nummern ihres Repertoires, Polkas, Mazurkas, Schottische und Walzer, ununterbrochen auf. Immer neue Paare von Tänzern und Tänzerinnen rauschten durch die prächtigen Salons dieses Palastes, der sich nur wenige Schritte entfernt von dem ¿alten Hause aus Stein¿ erhebt, in welch¿ letzterem sich so viele furchtbare Dramen abgespielt haben und das jetzt nur die flüchtigen Melodien der Quadrillen wiederhallte.Der Oberhofmarschall fand bei Erfüllung seiner delicaten Pflichten sehr beachtenswerthe Unterstützung. Die Großfürsten selbst, deren Adjutanten, die Kammerherren vom Dienst und die Hausofficiere des Palastes unterzogen sich des Arrangements der Tänze. Die von Diamanten strahlenden Großfürstinnen und die Hofdamen in gewähltester Galatoilette gingen den Frauen und Töchtern der höchsten Militär- und Civilbeamten mit aufmunterndem Beispiele voran. Als das Signal zur Polonaise ertönte, als die Eingeladenen jedes Ranges herbeieilten zu dieser rhythmischen Promenade, welche bei derartigen Festlichkeiten die volle Bedeutung eines Nationaltanzes erlangt, da bot das Gemisch der langen, spitzenüberwebten Roben und der an Ordensschmuck so reichen Uniformen bei dem Glanze der hundert Kronleuchter, deren Lichtmeer die ungeheuren Spiegel noch zu verdoppeln schienen, dem Auge ein entzückendes, kaum zu beschreibendes Bild.Dazu lieferte der große Salon, das schönste der Gemächer im Neuen Palais, für diese Versammlung hoher und höchster Personen und verschwenderisch geschmückter Frauen einen entsprechend prachtvollen Rahmen. Die reiche Decke mit ihren von der Zeit schon etwas gemilderten Vergoldungen erschien wie besäet mit blitzenden Sternen. Der Brokat der Gardinen und der in schweren Falten herabfallenden Portièren färbte sich mit warmen Tönen, welche sich nur an den schärferen Kanten des kostbaren Stoffs lebhafter heraushoben.
Ist es schon Abend? Ich will nicht hinaus, Vergeblich flimmert ihr, o buhlerische Sterne! Faß mich doch enger, du vertrautes Haus, Reiß mich an dich, gib mich nicht an die Ferne, Lieg nicht so träg, so stumm, so atemlos, Sprich jetzt zu mir! Ich brauche einen, Der zu mir spricht in dieser Zwielichtstunde, Hörst du: Ich brauche einen, sei es bloß Das Ticken einer Uhr, ein Kinderweinen, Das Knurren nur von einem nahen Hunde, Nur nicht dies fröstelnde Verlassenscheinen, Nur Etwas, das dies drohende Gewicht Der ganz verstummten Stube von mir hält, Und daß des Herzens Hammer nicht So ohne Antwort in die Stille fällt! Haus, halt mich fest! Zu viel Von meinen Nächten hab' ich hingegeben An dieses sinnlich aufgepeitschte Spiel. Wie bin ich müd, die abenteuerlich Erregte Luft, die lichterlose Schwüle Der stummen Gassen an mein Kleid, an mich, Und endlich flackernd in mir selbst zu fühlen. Schließ du mich, Buch, in deine dunklen Zeilen, Senkt, Briefe, ihr dies in die Ferne Streben In lieber Menschen Bild, in eine Frau, Beschwichtigt ihr das nun vom Abend lau Aufschwülend unerklärliche Verlangen, Des Blutes Unruh in die Nacht zu jagen! Dies willenlose Durch-die-Gassen-Treiben, Ob mich nicht Etwas aus dem Dunkel will, Dies lüstern Spähn, dies angespannte Hangen An jeder mattbeglänzten Fensterscheibe ¿ Wird dieses knabenhaft verworrne Treiben Denn noch nicht in mir still? Nein, halt mich, Haus! Verschließ mit dunklen Scheiben All meine Unrast: und ich bleibe dein. Ich selbst will ja den Abend so, nur so, Wie er den andern ist: ein Müdesein, Nur so, Als sinke mit den schwindenden Kulissen Ein buntes Spiel in bilderlose Räume. Nicht will ich mehr. Vielleicht noch irgendwo Freund oder Frau, ein mir Vertrautes wissen, ¿ Und dann nur Träume, bilderlose Träume.
Und wiederum die alte Leier? Poeten, stimmt ein Neues an! Es ist ja doch das beste Feuer Im Minnesingen schon verthan. Ach, ihre Helden, ihre Dichter Gefunden hat die Liebe längst, Und einem zeitgemäßen Richter Gefiele, daß du frischer sängst. Seit jedes süße Wort verwerthet, Seit jede Wendung fein erlauscht, Wärs löblich, daß ihr euch bekehrtet, Poeten, die ihr seid berauscht! Reimt lieber Ungereimtes wieder, Wir sind auch des Vollkommnen müd, Versungen ist das Lied der Lieder, Das hohe Lied, der Liebe Lied! Versungen ist das Lied der Lieder, Das Menschenherzen einst durchbebt! Und, dennoch, neu und ewig wieder! So es ein Menschenherz ¿ erlebt.
Es ist einmal eine alte Geiß gewesen, die hatte sieben junge Zicklein, und wie sie einmal fort in den Wald wollte, hat sie gesagt: ¿Ihr lieben Zicklein, nehmt euch in acht vor dem Wolf und laßt ihn nicht herein, sonst seid ihr alle verloren.¿ Darnach ist sie fortgegangen. In einer Weile rappelt was an der Haustüre und ruft: ¿Macht auf, macht auf, liebe Kinder! Euer Mütterlein ist aus dem Walde gekommen!¿ Aber die sieben Geißlein erkannten¿s gleich an der groben Stimme, daß das ihr Mütterlein nicht war, und haben gerufen: ¿Unser Mütterlein hat keine so grobe Stimme!¿ Und haben nicht aufgemacht.Nach einer Weile rappelt¿s wieder an der Türe und ruft ganz fein und leise: ¿Macht auf, macht auf, ihr lieben Kinder! Euer Mütterlein ist aus dem Walde gekommen!¿Aber die jungen Geißlein guckten durch die Türspalte und haben ein Paar schwarze Füße gesehen und gerufen: ¿Unser Mütterlein hat keine so schwarzen Füße!¿ Und haben nicht aufgemacht.
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